Rezensionen zu Ausgabe 1

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“VISIONARIUM 1: Tod und Verdammnis”

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Eine Hoffnung am Magazinhimmel *****

In der ewigen Diskussion über die Wertigkeit der Kurzgeschichte ist dieses Magazin, in seiner ersten Ausgabe, ein Argument für die kurze Form. Unabhängig vom Genre, das durch die Kurzgeschichten bedient wird, ist die Auswahl der Geschichten wunderbar gelungen. Das Vorwort verspricht nicht zuviel, wenn es verstörende Visionen in Aussicht stellt. Martin Compart, Christina Scholz und John Aysa lassen das Magazins hell am Magazinhimmel aufblitzen. 5 Sterne sind ehrlich verdient.
Auch sekundärliterarisch gibt sich das Team allergrößte Mühe das Qualitätsniveau hoch zu halten. Das Interview mit Andreas Gruber ist wirklich inforamativ und nicht das übliche flache Standardrauschen. Der Bericht über Erfahrungen mit Locecrafts “Großen Alten” hingegen ist auch literarisch fast schon in einer eigenen Liga zu werten. Gratulation, die Mischung stimmt.
Alles in Allem darf man diesem Magazin zutrauen, bei geleichbleibender Qualität und das wird nicht leicht werden, auch eine Leserschaft zu binden, die ein Bestehen möglich macht.
Hoffnungsvolle Grüße nach Graz, eine der schönsten Städte Österreichs, und Hut ab vor dem Team das eine solch grandiose Startnummer hingelegt hat.

Erlesene Schau *****

VISIONARIUM. Eine Gazette für phantastische Abwege. Ist neu, klingt erst mal aufregend. Doch was genau hat der geneigte Leser sich unter dem verheißungsvollen Titel vorzustellen? Die Spannung steigt beim Anblick des todschicken Artworks, das uns, halb traumschönes Fräulein, halb Gerippe, vom Einband her auf zwielichtigste Weise zulächelt. Was mag sich wohl im Inneren dieser fahlgrünen Schatztruhe verbergen? – Etwas, das sich der geneigte Leser am besten im Halbdunkeln mit einem Gläschen Absinth zu Gemüte führt, so viel sei schon mal empfohlen.

Thema der ersten Ausgabe: Tod und Verdammnis. Jawoll! Und jene beiden düsteren Gefährten kommen in Gestalt dreier Short Stories daher, die das Herzstück des gediegen ausstaffierten Schaufensters bilden. Zum Auftakt bewegen wir uns mit Martin Compart („Die Lucifer-Connection“) auf klassischem Horrorgelände: „Im Wald“ begegnen wir einem kleinen Mädchen, das, nun ja, eine äußerst beunruhigende Entdeckung macht. Mit der zweiten Story betreten wir dann ein urbaneres Szenario: Geführt von Christina Scholz irren wir über das menschenverlassene Gelände der TU Dortmund und kommen mit den „Children Of The Revolution“ einer Verschwörung auf die Spur. Zum dritten blicken wir mit John Aysa in eine gleißende Zukunft und erleben die beklemmend-blutbespritze Horrorvision einer Welt, in welcher der Klimawandel nicht mehr nur eine dräuende Prognose, sondern brutale Realität ist. „Ein strahlend schöner Morgen“ nennt sich das Ganze. Wohl kaum!

Neben der exquisiten Auswahl an Kurzgeschichten, alle mit schmucken Illustrationen versehen, kommen auch Freunde der Metaebene auf ihre Kosten. So verortet Herausgeber Dr. Nachtstrom die Bedeutung der Phantastik innerhalb der sog. Postmoderne und freut sich dabei zurecht über die Auflösung kleinlicher Genregrenzen. Unter Einsatz seines Lebens geht Chefredakteur Bernhard Reicher neuesten Spuren der Lovecraft’schen „Großen Alten“ nach, und oben drauf gibt’s noch ein ausführliches Interview mit Andreas Gruber („Der Judas-Schrein“), an dem besonders angehende Autoren ihre Freude haben dürften.

Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit – die Macher haben bereits in der ersten Ausgabe alle Zeitebenen der Phantastik im Visier, verankern ihre erlesene Schau aber trotzdem fest im literarischen Hier und Jetzt. Alles in allem wäre es zu profan, hier von einer „Bestandsaufnahme“ zu sprechen. Besser passt vielleicht das viel bemühte Bild des Kaleidoskops, denn hier bilden sich die aktuellen Strömungen zeitgenössischer Phantastik facettenreich und reflektiert ab, ohne dabei zum statischen Ganzen zu erstarren. Im Namen aller Phantastiker und Fantasten bleibt daher nur zu sagen: Bitte mehr davon!

Neue Zeitschrift *****

Phantastik-Fans mit Hingabe zur dunklen Seite der Literatur sind hier perfekt aufgehoben. Bernhard Reicher und Dr. Nachstrom haben in ihrer ersten Ausgabe des Periodikums “Visionarium” zwar einen starken Hang zu Lovecraft, aber das dürfte sich auch bald wieder legen. Eine tolle Story von John Aysa und ein wirklich gelungenes, vor allem für Buch-Affine sehr interessantes Interview mit Andreas Gruber finden sich hier zwischen tollen Illustrationen (Anna Maria Jung!). Kurzum: das Ding gehört in jedes Bücherregal, das eine Ecke für finstere Genres hat.

Die neue Heimat der Phantastik! *****

Wie so oft im Leben eines Sammlers, findet man ab und zu mal ein Werk, dass man so noch nicht kennt. Genau so ging es mir auch bei VISIONARIUM, ein Magazin von Fans für Fans, doch die Aufmachung hat mit der einer handelsüblichen Zeitschrift nichts mehr gemein. Stattdessen wurde das Heft einfach in die Form eines Taschenbuches gebracht und so hat man direkt die Vorteile beider Medien kombiniert. Doch was ist VISIONARIUM eigentlich? Das Magazin behandelt alles, was mit Phantastik und Co zu tun hat. Eine Sammlung von kurzen Geschichten, Interviews und anderen Erzählungen. Die Macher bezeichnen es als Sammelbecken der deutschsprachigen und internationalen Phantastik. Kann die erste Ausgabe mit dem Untertitel „Tod und Verdammnis“ überzeugen?

Im ersten Heft, gibt es drei sehr spannende und interessante Kurzgeschichten zu finden. Sowohl die Kannibalen bekommen ihren Platz, zudem ein merkwürdiger Konzern, der mit Menschenversuchen Grauen und Schrecken verbreitet und eine kleine Apokalypse ist ja auch nicht verkehrt. Um diese Stories herum entdeckt man eine Reportage, rund um das Schaffen und die Stories von H.P. Lovecraft, eine Rezension des Herausgebers dieses Magazins, Dr. Nachtstrom zu verschiedenen Werken der Phantastik und ein sehr interessantes Interview mit Kultautor Andreas Gruber.

Zunächst muss man einmal sagen, dass bereits die erste Ausgabe einen hervorragenden Eindruck hinterlässt. Die drei Kurzgeschichten sind durchweg gelungen und spannend geschrieben. Auf wenigen Seiten wird man in verschiedene Welten entführt und man merkt erneut, dass manchmal eben doch in der Kürze die Würze liegt. Besonders die letzte Geschichte hat mich dabei überzeugt. In sechs Kapiteln werden Schicksale präsentiert die zunächst irgendwie gar nicht zusammenpassen, nur um am Schluss wie ein Hammerschlag zusammengeführt zu werden.

Im Anschluss an jede Geschichte gibt es zudem immer eine kurze Info über den Autor und deren Werke. Die Review über Werke der Phantastik von Dr. Nachtstrom bildet eine sehr schöne Einleitung in das Genre und macht auf einige sehr interessante Bücher aufmerksam. Auch das Interview mit Kultautor Andreas Gruber weiß zu gefallen und ist sicherlich besonders für angehende Schriftsteller sehr lesenswert.

Das absolute Highlight, zumindest in meinen Augen, stellt aber die Reportage des Chefredakteurs Bernard Reicher dar. Obwohl es sich „nur“ um eine ganz sachliche Erzählung handelt, haben sich mir beim Lesen die Haare vor Angst aufgestellt. Diese Sachlichkeit mit welcher vermittelt wird, wie eine Chaosmagierin versucht mit den Großen Alten von Lovecraft Kontakt aufzunehmen ist wirklich grandios geworden und Leute die sich mit dem Mythos von Lovecraft auskennen, sollten sich diese Reportage unbedingt zu Gemüte führen.

Fazit: Bereits die erste Ausgabe gibt ein sehr hohes Niveau vor und kann durch die Bank überzeugen. Die Kurzgeschichten sind abwechslungsreich und die Berichte lesenswert. Wer auf Phantastik steht, sollte unbedingt mal einen Blick ins VISIONARIUM wagen und wer weiß, vielleicht sieht er danach die Welt mit anderen Augen.

 

Weird Tale Redux *****

Ich bin durch Zufall über dieses Magazin (Edition Gwydion, 120 Seiten) gestolpert, welches sowohl als Printausgabe als auch als E-Book erhältlich ist. Natürlich habe ich mich für erstere Variante entschieden. Wer gerne abgründige Geschichten liest und sich nicht nur für die Stories interessiert, sondern auch für das, was dahinter ist bzw. sein kann, der ist hier goldrichtig. Ich bin jedenfalls hellauf begeistert!

Die Aufmachung ist absolut hochwertig, in allen Belangen. Angefangen vom tollen Cover über die schaurig-schöne Begrüßung, dem angenehmen Layout, den genialen Illustrationen und der charmanten Vorstellung aller Beteiligten bis hin zum faszinierenden Inhalt, dem erstklassigen Lektorat und dem angenehmen (Schundheft-)Format stimmt hier einfach alles.

Herzstück des Magazins sind die drei Kurzgeschichten, die allesamt aus dem deutschsprachigen Raum stammen. Die sind natürlich Geschmackssache. Ich fand sie alle, obwohl höchst unterschiedlich, ganz toll.

“Im Wald” von Martin Compart: Das kleine Mädchen im Wald weiß noch nicht, daß es bald sterben wird. Aber es fühlt instinktiv, daß von dem Mann, der hier herumschleicht, Gefahr droht. Schnell eilt die Kleine zurück zu Vater, Mutter und Schwester, um sie zu warnen. “Im Wald” ist schnörkellos, knochentrocken, hammerhart und gut. Ein Auftakt nach Maß.

“Children of the Revolution” von Christina Scholz: Auf dem Weg zu seiner Unterkunft stolpert der Protagonist nachts über das Gelände der Technischen Universität in Dortmund. Dort geht beunruhigendes vor sich, wie unser Held bald erkennen muß. “Children of the Revolution” beginnt harmlos und humorig, steigert sich aber bald zu einem grausig-famosen Höllentrip. Der Stoff, aus dem Alpträume sind!

“Ein strahlend schöner Morgen” von John Aysa: Irgendwann in der Zukunft. Die Sonne brennt erbarmungslos auf die Erde, die Menschen verstecken sich in ihren abgedunkelten Wohnungen, denn schon wenige Minuten im prallen Sonnenlicht können irreparable Schäden verursachen. Das unerbittliche Schicksal führt einen Polizisten, eine Kleinfamilie und eine Hure zusammen. “Ein strahlend schöner Morgen” ist ein ungeschönter Blick in eine postapokalyptische Hölle, gut durchdacht, glaubhaft geschildert, kompromißlos umgesetzt.

Damit nicht genug gibt es ein ausführliches und hochinteressantes Interview mit dem Schriftsteller Andreas Gruber (“Das Eulentor”) sowie einen Artikel über Genre-Crossover-Romane. Der Geheimtipp ist dann allerdings die Lektüre über zwei Menschen, die Lovecrafts Große Alten so ernst nehmen, daß sie sie zu beschwören versuchen. Wieso sie das tun und was dabei herauskommt wird so packend geschildert, daß tatsächlich eine Gänsehaut über meine Haut kroch. Da spielt es gar keine Rolle, ob man das Gelesene für bare Münze nimmt oder nicht. Es ist einfach kreuzunheimlich.

Der große “Nachteil” von “Visionarium” ist, daß nun der Appetit auf mehr geweckt wurde. Nicht nur auf weitere Ausgaben des Magazins (welche ich bereits bestellt habe), sondern auch auf weitere Arbeiten der vorgestellten Autoren. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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